Montag, 14. Oktober 2019
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Wann lohnt sich ein Bausparvertrag?

Auch wenn der Bausparvertrag in den letzten Jahren immer unbeliebter geworden ist und inzwischen andere Anlageformen bevorzugt werden, da sie eine höhere Rendite abwerfen, gibt es immer noch Szenarien, in denen sich ein Bausparvertrag für Sie lohnt.

 

Zunächst einmal stellt sich die Frage, was ein Bausparvertrag denn überhaupt ist. Ein Bausparvertrag ist die Kombination aus Immobilienfinanzierung und Sparplan. Zu Beginn wird eine Bausparsumme festgelegt und bevor es zu einer Auszahlung oder einem Darlehen kommen kann, müssen Sie ca. 30-50 % selbst ansparen. Erst dann können Sie auch ein Darlehen beantragen – und das zu einem bereits festgelegten Zinssatz.

 

Hinter dem Bausparvertrag steckt ein einfacher Gedanke. Alle Bausparer einer Sparkasse zahlen in den gleichen Topf ein. In diesen fließen nicht nur die Einnahmen, sondern auch die Auszahlungen werden daraus entnommen. Das ist auch der Erklärung dafür, warum eine Sparkasse einen Zinssatz so lange im Voraus garantieren kann.

 

Einen Bausparvertrag schließt man vor allem dann ab, wenn man vorhat, in der Zukunft zu bauen oder Modernisierungen an seinem Haus durchzuführen. Das Geld aus einem Bausparer muss nämlich für wohnwirtschaftliche Zwecke genutzt werden, wie im Bausparkassengesetz festgelegt. Generell bleiben einem zwei Möglichkeiten, sobald der Bausparvertrag reif ist: Entweder, Sie lassen sich das Geld ausbezahlen und der Vertrag läuft aus, oder Sie beantragen ein Darlehen zu einem festen Zinssatz und über die nach Ihren Zahlungen verbleibende Höhe der Bausparsumme.

 

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Nun bleibt also die Frage, ob sich ein Bausparvertrag für Sie lohnt. Zunächst einmal hängt das stark davon ab, wofür Sie diesen nutzen wollen. Es gibt einige Möglichkeiten.

  • Um zu sparen
  • Um sich einen günstigen Bauzins zu sichern, weil Sie in der Zukunft eine Immobilie finanzieren wollen
  • Um eine Immobilie direkt zu erwerben, indem Sie Gebrauch vom Bausparsofortdarlehen machen
  • Um für Modernisierungen eine Rücklage zu bilden

 

Von den genannten Punkten sind am Ende nur zwei wirklich sinnvoll. Zum Sparen eignet sich ein Bausparvertrag nicht, da die Rendite beinahe gegen null geht. Als Vermögensanlage bietet sich diese Variante also nicht an. Auch ein Bausparsofortdarlehen ist weniger sinnvoll. Sie haben zwar sofort das Geld, um eine Immobilie zu bezahlen und sind mit Ende des Bausparvertrags auch fertig mit dem Abbezahlen des Darlehens – aber bis die erste Restschuld getilgt wird, vergehen unter Umständen einige Jahre. Das passiert nämlich erst zu dem Zeitpunkt, an dem der Vertrag zuteilungsreif ist. Falls Sie das stört, fahren Sie mit einem Annuitätendarlehen sehr viel besser.

 

Es lohnen sich für Sie im Prinzip also nur zwei Punkte:

  • Sie sichern sich einen günstigen Bauzins, um später eine Immobilie zu finanzieren

    Das macht vor allem Sinn, wenn die aktuellen Zinsen niedriger liegen, als beispielsweise die in zehn Jahren. Durch die immer weiter steigenden Preise kann das gut der Fall sein.
    Sie entschließen sich also für einen Bausparvertrag mit einer Bausparsumme, einer festen Laufzeit, eine monatliche Zahlung und die Bank legt einen Darlehenszins für später fest.

    Nach einem gewissen Zeitraum haben Sie 40 % der Bausparsumme angespart und der Vertrag wird zuteilungsreif. Und genau an diesem Punkt findet sich auch der Vorteil eines Bausparvertrags. Für gewöhnlich ist in der Zwischenzeit das Zinsniveau für Baukredite weiter in die Höhe geschossen. Sie allerdings erhalten Ihr Darlehen zu dem Zinssatz, den Sie damals mit der Sparkasse festgelegt haben.


Sie entscheiden sich also für ein Darlehen, bekommen Ihr Guthaben und die Darlehenssumme ausgezahlt und können somit Ihre Immobilie finanzieren oder kaufen. In den darauffolgenden Jahren zahlen Sie Ihr Darlehen mit dem günstigen Zinssatz zurück an die Bank.

  • Sie bilden Rücklagen zur Modernisierung einer Immobilie
    Da die Bausparsummen für Modernisierungen oft deutlich geringer ausfallen, werden die Verträge auch früher zuteilungsreif. Planen Sie also in den nächsten Jahren einige Modernisierungen an Ihrem Eigenheim vorzunehmen, so lohnt es sich, einen Bausparvertrag genauer anzusehen. Andere Formen von Krediten schneiden im Vergleich deutlich schlechter ab, da die Beträge oftmals zu gering sind, um überhaupt bewilligt zu werden oder nur mit einem horrenden Zinssatz angenommen werden.

 

Wie Sie sehen, kann ein Bausparvertrag wirklich sinnvoll sein. Damit das aber der Fall ist, sollten Sie sich vorab darüber im Klaren sein, für was Sie diesen Vertrag abschließen und vor allem zu welchen Konditionen. Diese sollten Sie auch unbedingt mit anderen Instituten vergleichen und das Angebot wählen, das am besten für Sie passt.


Falls die Modernisierungen doch eher in Richtung Einrichtung gehen, sollten Sie vielleicht mal bei IKEA mit einem Gutschein vorbeischauen


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